Abstract
Wenn man davon ausgeht, dass eine der Voraussetzungen für ein gut fundiertes moralisches Urteil im Bereich der Medizin ein adäquates Verständnis der medizinischen Gegebenheiten und Zusammenhänge ist, dann muss diesem Aspekt bei der Beurteilung der künstlichen Ernährung bei fortgeschritten Demenzerkrankten in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Damit verbunden ist die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen empirischen Untersuchungen, anhand derer es gerechtfertigt scheint, die künstliche Ernährung bei dementen Patienten als erfolglos hinsichtlich des Ernährungszustands, der Verbesserung der Lebensqualität und der Überlebenszeit zu bezeichnen. Unsere Arbeit setzt an drei wesentlichen Punkten an: zum einen soll der Zusammenhang zwischen Ernährungssituation und Demenzerkrankung dargestellt werden, andererseits soll ein Modell vorgestellt werden, das bessere Ergebnisse verspricht als sie in den bisherigen empirischen Studien gefunden worden sind, und drittens soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass mit dem Erkennen der Möglichkeit der adäquaten Ernährung von fortgeschritten Demenzkranken auch neue Optionen in der normativen Beurteilung von künstlicher Ernährung offen stehen