Wie volkstümlich ist die byzantinische Volksliteratur?

Byzantinische Zeitschrift 96 (2):577-600 (2003)
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Abstract

Gegenstand unserer Frage und der Überlegungen dazu ist ein Corpus von Texten, die grosso modo zwischen dem XIV. und dem XV. Jahrhundert enstanden sind, in jener Epoche also, die nach dem Namen der regierenden Dynastie auch als Palaiologenzeit bezeichnet wird. In Gegensatz zur sonstigen byzantinischen Literatur, die sich antikisierend am attischen Griechisch orientierte, sind sie in einer Sprachform verfaßt, die viele Ähnlichkeiten mit dem modernen neugriechischen Idiom aufweist. Diese neue Texte kennzeichnet bei aller inhaltlichen Vielfalt – abenteuerliche, heldenhafte, romanhafte Themen werden gleich satirischen, didaktischen und paränetischen behandelt – eine strenge formale Einheitlicheit insofern, als sie beinahe alle in dem auch für die neugriechische (Volks)dichtung charakteristischen Versmaß, dem ungereimten, von den Byzantinern selbst πολιτιϰὸς στίχος genannten Fünfzehnsilber verfaßt sind und eine mehr oder weniger starke Formelhaftigkeit in der poetischen Diktion aufweisen. Darüber hinaus runden weitere äußerliche Eigenschaften, etwa die instabile, variantenreiche und sehr spät einsetzende handschriftliche Überlieferung oder die durchgehende Anonymität der Werke, die homogene Erscheinung des volksprachlichen Literaturcorpus ab.

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